Gotlands-Museum

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Strandgatan 14
Visby
Schweden
Telefon: +46 (0)498 29 27 00

info@gotlandsmuseum.se
https://www.gotlandsmuseum.se

Öffnungszeiten:
Von Oktober bis April: Täglich 11:00-16:00 Uhr
Von Mai bis September: Täglich 10:00-18:00 Uhr

Die nächstliegende Schatzinsel ist von Osnabrück nicht einmal 1.000 Kilometer entfernt. Wir sprechen vom schwedischen Gotland, das sich im 8. Jahrhundert n. Chr. zu einer Handelsdrehscheibe zwischen dem Norden Europas und den städtischen Zentren des Nahen Ostens entwickelte. Bienenwachs, Holz und Tierfelle waren nicht nur in Miklagard – wie die Nordmänner die Stadt Konstantinopel nannten – sehr begehrt. Und da muslimische Heere und Flotten die traditionellen Handelswege blockierten, spielte sich der Warenaustausch zwischen Nordeuropa und Asien nun auf den Flüssen Russlands ab, die von Skandinavien aus leicht über die Ostsee zu erreichen waren. Gotland etablierte sich dabei als wichtiger Umschlagplatz für Waren aller Art.

Mehr noch: Auf Gotland saßen viele Produzenten von Gütern, die ihrerseits dringend bei der Seefahrt gebraucht wurden. Hier erzeugte man Teer und Seile, braute Bier und fabrizierte Stockfisch. Das taten natürlich nicht nur die Gotländer, aber nur auf dieser Insel gab es keine Feudalherren wie sonst in Mittel- und Nordeuropa; und so verlangte niemand den Bauern ihre Überschüsse ab. Es verbot ihnen auch niemand, selbst mit ihren Waren Handel zu treiben. Deshalb belud so mancher unternehmungslustige Bauer selbst ein Schiff, heuerte eine Crew an und begab sich auf große Fahrt. Er verkaufte, was er produziert hatte. Vielleicht ergab sich ja auch anderes. Die Wikinger waren zwar nicht ganz so schrecklich wie ihr Ruf, hatten aber auch nichts dagegen, ihr Einkommen bei günstiger Gelegenheit anderweitig zu aufzubessern.

Solche Fahrten brachten große Mengen von Silber nach Gotland; Silber, das ein Bauer im Alltag nicht benötigte. Auf Gotland betrieb man Subsistenzwirtschaft und erzeugte alles, was man zum Leben notwendig war. Darum vergrub man das von der letzten Fahrt mitgebrachte Silber – und darum findet man diese vergessenen Schätze noch heute in Gotlands Boden.

Die meisten Schätze kamen zwischen dem 9. und dem 11 Jahrhundert in die Erde, zunächst gleichmäßig verteilt über die ganze Insel; ab 1075 eher an der Küste.

Nun gibt es Menschen, die es nicht gerne hören, wenn man bei archäologischen Hortfunden von Schätzen spricht. Aber wenn es um Gotland geht, kann man nicht anders. Die Insel ist nur knapp drei Tausend Quadratkilometer groß und hat bis heute Hortfunde mit knapp 180.000 Münzen geliefert. Wobei diese Zahl wahrscheinlich auch schon wieder überholt ist, denn ständig kommen neue Funde zum Vorschein.

Ein Kind der beginnenden Nationalbewegung

Während ein großer Teil der frühen auf Gotland gemachten Funde heute im Goldraum des Historischen Museums von Stockholm zu sehen ist, kommen die neuen Funde alle ins Gotlands Museum, das 1875 auf Initiative von Per Magnus Arvid Säve entstand.

Die Geschichte dieses Museums ist eigentlich typisch für viele Regionalmuseen. Es entstand in der Zeit, als sich nach dem Ende der Adelsherrschaften die bürgerlichen Nationalstaaten bildeten. Damals beschäftigten sich alle mit ihrer Identität – und dazu gehörte natürlich an erster Stelle die eigene Vergangenheit.

So studierte der Pastorensohn Per Magnus Arvid Säve zunächst Altertumswissenschaften in Uppsala. Aber statt über die Ilias oder römische Bauten zu forschen, wendete er das, was er gelernt hatte, auf die eigene Vergangenheit an: Säve erschloss die alte Sprache Gotlands, sammelte die Sagas der Insel und dazu passend all ihre Altertümer. Für diesen enthusiastischen Sammler schuf der schwedische Staat die Position eines Kurators für Altertümer auf Gotland. Nun durfte er von staatlicher Seite aus das tun, was er vorher privat gemacht hatte. Säve wurde zum Mittelpunkt einer Gruppe von anderen Bürgern Gotlands. Mit ihnen zusammen gründete er erst einen historischen Verein, dann das Gotlands Museum, dessen Bestand sich zunächst aus den privaten Sammlungen der Gründer speiste. Heute wird dort alles zusammengetragen, was die Geschichte Gotlands illustriert und museale Fürsorge braucht. Dazu gehören die Münzfunde, denen gleich mehrere Räume gewidmet sind.

Der Hortfund von Spillings

Das wohl beeindruckendste Exponat des Gotlands Museum ist der Hortfund von Spillings, der größte weltweit je gefundene Silberschatz aus der Wikingerzeit. Er wiegt unglaubliche 67 Kilogramm und enthält 14.000 zumeist islamische Münzen. Da islamische Dirhems genau datiert sind, wissen wir, wann er vergraben wurde, nämlich nach 870/71. 

67 Kilogramm: Der Besucher wird von der schieren Menge an Silber geradezu erschlagen. Aber um Ihnen eine Vorstellung vom Wert des Fundes zum Zeitpunkt seiner Verbergung zu geben: Damit hätte Gotland fünf Jahre lang dem schwedischen König alle Steuern zahlen können.

Beinahe wäre dieser Schatz live vor einer Kamera gefunden worden. Denn der schwedische Sender TV4 machte eine Doku über die Hortfunde von Gotland. Dafür hatte man sich einen Metalldetektor ausgeliehen und die Unterstützung des Archäologen Jonas Ström gesichert. Zufällig war auch der international bekannte Numismatiker Kenneth Jonsson vor Ort. Sie rieten dazu, auf der Spillings Farm zu drehen, weil da immer wieder Münzen zum Vorschein gekommen waren.

Nachdem der Film im Kasten war und das Fernsehteam abzog, beschlossen die Wissenschaftler, mit dem Detektor noch selbst ein bisschen auf die Suche zu gehen – und nicht einmal 20 Minuten später, ertönte das Signal, das den ersten der drei Hortfunde ankündigte. Wenige Stunden danach wurde nämlich ein zweiter Hort entdeckt. Das war zu viel für den Detektor, wie Jonas Ström erzählt: „Das Display blinkte „overload“ und dann stellte sich das Teil selbst ab.“ Sofort wurde eine archäologische Grabung durchgeführt, so dass der Hortfund von Spillings unter gesicherten archäologischen Bedingungen zum Vorschein kam.

Neben den beiden Silberschätzen entdeckte man zu einem späteren Zeitpunkt übrigens noch einen Hort von über 20 Kilo Bronze. Für Numismatiker ist er nicht so interessant, schließlich enthält er keine Münzen. Für Archäologen ist er dagegen einzigartig: Man kennt nämlich wesentlich weniger Bronzehorte als Silberhorte auf Gotland.

Stavars Schatz

Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist die von Stavars Schatz, und dafür müssen wir ins Jahr 1880 zurückgehen: Da wankt ein etwas besoffener Gotländer namens Göran aus der Dorfkneipe. Plötzlich steht – so wird er es später immer wieder erzählen – ein blutüberströmter Wikinger mit riesiger Axt vor ihm. Göran erschrickt; aber das Gespenst beruhigt ihn: Es sei nämlich sein Vorfahr und heiße Stavar. Er sei im Kampf gegen den norwegischen Wikinger Erik Jarl gefallen und habe es nicht mehr geschafft, seinen Kindern das Geheimnis vom Schatz anzuvertrauen. Den wolle er jetzt Göran zeigen. Man kann sich gut vorstellen, dass der sofort wieder nüchtern ist. Auf jeden Fall ist er vorsichtig. Er will Stavars Schatz nämlich nicht haben, weil er glaubt, dass Unheil daran klebt. Er lehnt also höflich ab. Stavar der Geist lobt ihn für seinen Entschluss, gibt ihm ein paar Münzen aus dem Hort und verspricht, es bei seinen Nachkommen wieder zu versuchen.

Wir können davon ausgehen, dass Görans Nachkommen ihn für seine Bescheidenheit noch lange verfluchten. Und als sie in den 1950er Jahren ihr Gehöft Stavgard verkauften, geschah das mit der ausdrücklichen Klausel, dass sie damit keinesfalls den Anspruch auf den Schatz des Stavar aufgeben würden.

Der wurde erst 1975 gefunden, und zwar von spielenden Schulkindern. Ob es dabei tatsächlich um den Schatz des Stavar handelte? Man darf es bezweifeln. Auf Gotland ist die Schatzdichte derart hoch, dass es relativ wahrscheinlich ist, einen davon auf dem eigenen Grund und Boden zu finden.

Das Ende von Gotlands Reichtum

Mindestens genauso beeindruckend wie die großen Schatzfunde, sind die Zeugnisse der Schlacht von Visby im Jahr 1361. Für uns ist dieser Kampf ebenfalls wichtig, weil er das Ende der reichen Hortfunde bedeutete. 

Wir erinnern uns: Nur weil es auf Visby keine Feudalherren gab, wurden seine Bauern so reich. Und damit machten sie sich einen potentiellen Konkurrenten: die Handelsherren von Visby, die hinter ihren Stadtmauern nur zu gerne den gesamten Handel der Insel konzentriert hätten.

Als nun der dänische König Waldemar Atterdag Gotland unter seine Kontrolle zu bringen versuchte, griff er zu diesem Zweck Visby an. Doch die Bürger der Stadt verschanzten sich hinter den Mauern und überließen es den Bauern die Schlacht zu schlagen. Bauern gegen die Soldaten des Dänenkönigs: man kann sich vorstellen, was dann passierte. Unsere Vorstellung wird von zahlreichen Exponaten im Gotlands Museum beflügelt. Dort liegen nämlich die irdischen Reste der Gotländer Bauern, durchbohrt von Pfeilen, mit abgehauenen Gliedern und gespaltenen Schädeln. Während vor Visby die Hälfte der männlichen Bevölkerung hingeschlachtet wurde, schauten die Bürger zu. Sie handelten einen Vertrag mit Waldemar Atterdag aus, während dessen Soldaten die reichen Gehöfte auf dem Land plünderten und niederbrannten. Die Händler von Visby glaubten, dass sie sich so ihrer Konkurrenz entledigen würden.

Die Pfeffersäcke übersahen dabei, dass Handelsgüter erst erzeugt werden müssen, bevor man sie verkaufen kann. Wenn die Erzeuger tot sind, dann wird nichts mehr erzeugt, das Profit abwirft. Und so verlor Gotland seine Bedeutung als Drehscheibe der Ostsee und wichtigster Handelsplatz. Dass sich langsam auch die Verkehrswege wieder verlagerten, sei hier nur am Rande erwähnt.