Archäologische Staatssammlung
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Lerchenfeldstr. 2
80538 München
Deutschland
Abteilung Numismatik
Dr. Bernward Ziegaus
Tel: +49 (0)89 12599691-22
Öffnungszeiten:
Di–Mi/Fr–Sa 10.00–17.00 Uhr
Do/So 10.00–19.00 Uhr
Zum ältesten Münzbestand der Archäologischen Staatssammlung gehören über 1.600 römische Münzen des Historischen Vereins von Oberbayern, die seit der Gründung 1837 von den Mitgliedern gestiftet und nach Kaisern geordnet gesammelt wurden. Bereits im Jahr 1871 erschien hierzu von Ministerialrat Friedrich Hector Grafen Hundt (1809–1881) ein Katalog zum Sammlungsbestand des Vereins, in dem häufig auch die Fundorte der Münzen genannt wurden. Das Handexemplar des Vereins erfuhr in den Folgejahren nach dem Erscheinen des Katalogs immer wieder handschriftliche Ergänzungen zu weiteren Schenkungen, so dass die Inventarisation in der Publikation ihre Fortsetzung fand. Im Zweiten Weltkrieg geriet die Sammlung allerdings in Unordnung und Manches ging verloren. Eine Neusortierung und Nachbestimmung der Münzen erfolgte schließlich in den frühen 1980er Jahren, bevor der gesamte Bestand 1986 an die Prähistorische Staatssammlung (heute: Archäologische Staatssammlung) zum dauerhaften Verbleib übergeben wurde.
Seit den 1960er Jahren gelangten unter dem damaligen Sammlungsdirektor Hans-Jörg Kellner (1920–2015) vermehrt Fundmünzen aus archäologischen Ausgrabungen römischer Militärlager und Zivilsiedlungen in die Prähistorische Staatssammlung. Die Bestimmung von römischen Fundmünzen nach dem Dienstende Kellners 1984 wurde zunächst vom Abteilungsleiter Mittelalter fortgeführt. 1991 wurde eine eigene Abteilung Numismatik eingerichtet. Sie ist derzeit mit einem Kurator besetzt, der von Volontärinnen und Praktikanten unterstützt wird.
Die Archäologische Staatssammlung erfährt durch den seit 1973 existierenden Freundeskreis immer wieder finanzielle Unterstützung beim Erwerb von archäologischen Bodenfunden. Darunter sind auch Münzen, die für die Bayerische Landesgeschichte von herausragender Bedeutung sind. Schenkungen oder Nachlässe sind selten, so dass ein Erwerb nur mit Sondermitteln erfolgen kann.
Bestand und Aufgaben
Die Abteilung beherbergt derzeit etwa 6.000 keltische und über 25.000 römische Münzen sowie einen kleineren Bestand an mittelalterlichen und neuzeitlichen Prägungen. Eine Auswahl zu den Münzhorten wird auf dem Online-Portal Bavaricon unter dem Stichwort „Archäologische Staatssammlung Münzschatz“ vorgestellt.
Im Fokus der Präsentation steht immer die Betrachtung von Münzen in ihrem archäologischen Kontext, weshalb die Zusammenarbeit mit Archäologinnen und Archäologen sowie Restauratorinnen und Restauratoren grundlegend für die Veröffentlichung ist, um ein Maximum an Informationen zur Lagerung im Erdboden – sei es durch zufälligen Verlust oder ein intentionelles Verbergen – zu erhalten.
Die spektakulären Entdeckungen von keltischen Münzschätzen in Bayern in den 1980/90er Jahren führten zu einem erheblichen Sammlungszuwachs. Sie boten darüber hinaus die Möglichkeit, größere Münzserien stempelanalytisch zu untersuchen. Zudem konnte das Material unter speziellen naturwissenschaftlichen Aspekten, wie z. B. der metallurgischen Zusammensetzung der Münzen oder der Ursache des Verbergens und der Herkunft von Münzgold zu erforschen.
Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Erfassung keltischer Münzwerkzeuge und die Inventarisation eigener, noch unbestimmter Münzbestände in digitaler Form. Daneben geschieht die Dokumentation und Wertermittlung von Fundmünzen und Schatzfunden für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, die nach dem 2023 eingeführten Schatzregal gefunden oder gemeldet wurden.
Ausstellung
Die Münzbestände werden den Besucherinnen und Besuchern in verschiedenen Sälen der 2024 neu konzipierten Dauerausstellung der Archäologischen Staatssammlung unter thematischen Bezügen vorgestellt. Hierzu gehören: Münzen als Hilfsmittel zur Datierung von Befunden, Münzbilder als Primärquelle für historische Ereignisse, die sekundäre Verwendung von Münzen als Schmuck und Grabbeigaben, Münzschatzgefäße als Quelle zum Geldumlauf und als Hilfsmittel zur Datierung für mittelalterliche und frühneuzeitliche Keramik. Gemäß dem Sammlungsschwerpunkt werden keltische und römische Münzschätze, aber auch solche in Kombination mit Werkzeugen oder mit ihren Gefäßen präsentiert. Erläutert werden darüber hinaus das römische Nominalsystem und antike Fälschungen.
Projekte
Die Ausgrabungen der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt/Main im keltischen Oppidum von Manching seit den frühen 1950er Jahren erbrachten Hunderte von keltischen Fundmünzen und mehrere Münzschätze. Sie verdeutlichen die zentrale Bedeutung der keltischen Metropole als Drehscheibe für den Waren- und Geldverkehr im 2.–1. Jahrhundert v. Chr. Zu den bedeutendsten keltischen Münzfunden aus Süddeutschland gehört der aus Regenbogenschüsselchen und boischen Goldmünzen bestehende Münzschatz von Großbissendorf/Opf.
Zu den sicherlich interessantesten Erwerbungen der letzten Jahre gehört ein noch in einem Erdblock geborgener Hort von über 260 keltischen Sequaner-Potins, der 2019 bei Ausgrabungen in Unterfranken geborgen und mit Hilfe von 3D-Computertomographie voruntersucht und nun Schicht für Schicht freigelegt wird.
Für die DFG-Projekte „ClaReNet – Klassifikationen und Repräsentationen für Netzwerke“ (2022–2024) und das Anschlussprojekt „De retibus nummorum“ – Die Vernetzung der spätkeltischen Welt am Beispiel der Münzwirtschaft (2025–2027) wurden keltische Gold- und Silbermünzen für ein Bilderkennungsverfahren unter Anwendung Künstlicher Intelligenz zur Verfügung gestellt.
Ein Interessenschwerpunkt des Kurators liegt auf der Erforschung des keltischen Münzhandwerks. Hierzu gehören die Untersuchung von Keramikschmelzplatten auf Edelmetallreste, die Dokumentation von Münzhalbfabrikaten und Schmelzabfällen, vor allem aber die Dokumentation spezieller Münzwerkzeuge, die mit der seriellen Herstellung von Münzen einen tieferen Einblick in die Arbeitstechniken in einer keltischen Münzwerkstatt geben. Die Archäologische Staatssammlung verfügt somit nicht nur über einen enormen Bestand an keltischen Fundmünzen, sondern auch über den größten Bestand an keltischen Münzwerkzeugen in Form von Originalen und Repliken europaweit.
Bildunterschriften:
01 Archäologische Staatssammlung (München) 2024 // 02 Vorsatz und Doppelseite aus dem Bestandskatalog der Münzen- und Siegel-Sammlung des Historischen Vereins von Oberbayern (1871) // 03 Römische Börsenarmringe und Spardose mit Münzen von Kastell- und Siedlungsplätzen aus Pförring und Eining (Ober- und Niederbayern) // 04 Collier aus Perlen und Goldabschlägen von Solidi des Kaisers Iustinian aus einem Reihengrab von München-Aubing (Oberbayern) // 05 Münzschatz von Großbissendorf in der Oberpfalz // 06 Im Erdblock geborgener, keltischer Münzschatz aus Oberpleichfeld (Unterfranken) und CT-Aufnahme mit einem Blick in das Innere des noch nicht aufgelösten Blocks // 07 Keltische Münzstempel aus Niederaltheim (Bayerisch-Schwaben) und Regenbogenschüsselchen von verschiedenen Fundorten aus Oberbayern
Alle Texte und Bilder © Archäologische Staatssammlung
















