Münzstätte von Segovia

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Calle de la Moneda 3
40003 Segovia
Spanien
Tel: +34 (0)921 475 109

casademoneda@turismodesegovia.com
https://www.turismodesegovia.com/en/royal-mint

Öffnungszeiten:
Mi.-Sa. 10:00-14:00 Uhr und 16:00-18:00 Uhr
So. 10:00-14:00 Uhr
(Letzter Einlass: 30 Minuten vor Schließung)

von Ursula Kampmann

Wenn Sie diese Münze betrachten, sollte Ihnen einiges an der Prägung auffallen: Zunächst die Genauigkeit, mit der noch die kleinsten Details der Wappen ausgeprägt sind, und das bei einer Münze von 170 g Gewicht! Welch enormer Druck war notwendig, um auf so großer Fläche derart präzise zu prägen! Dann die Fehlstelle am Rand links, die als Zainende bezeichnet wird. Beides weist darauf hin, dass diese Münze nicht von Hand geprägt wurde, sondern mit der damals neuesten Technik: Mit dem Walzprägewerk.

Wo sie geprägt wurde, das verrät uns das Design. Es zeigt nämlich im Feld links einen kleinen Ausschnitt eines zweistöckigen Aquädukts, der an dem großen römischen Aquädukt erinnert, der sich mitten in Segovia erhalten hat. Erhalten hatten sich dort auch die Ruinen der ehemaligen Münzstätte, in der diese repräsentative Prägung entstand. Sie lagen viele Jahre lang brach, bis ein amerikanischer Numismatiker sie sah, ihre Bedeutung erkannte und beschloss, dass es sich lohnen würde, für den Wiederaufbau dieses kulturellen Erbes zu leben. Glen Murray hat es geschafft. Wo vor zwei Jahrzehnten Ruinen vergammelten, ist heute ein Museum, in dem man erfährt, wie die Münzen im 17. Jahrhundert entstanden. Die Münzstätte von Segovia ist nämlich nicht nur ein Prägesaal, sondern ein ganzer Gebäudekomplex, in dem alles auf die Technologie der Walzprägewerke ausgerichtet war.

Eine numismatische Revolution

Zu Beginn der frühen Neuzeit vervielfachte sich der europäische Handel und damit die Nachfrage nach schweren Silbermünzen, also nach Talern. Die traditionelle Prägung mit der Hand stieß an ihre Grenzen. In Zürich entwickelte deshalb ein innovativer Kopf eine Technologie, die sich durchsetzen sollte.

Gehen wir also zurück ins Jahr 1554. Damals beabsichtigte der Rat von Zürich, den Überschuss, den ihm die in der Reformation beschlagnahmten Kirchengüter jedes Jahr in die Staatskasse spülten, zu Münzen zu prägen. Durchschnittlich 10.000 Rechnungspfund pro Jahr mussten bewältigt werden. Die 984.772 Taler, 60 Mio. Groschen und 2,6 Millionen Kleinmünzen, die der eigens dafür angestellte St. Galler Münzmeister Hans Gutenson mit seinen 58 Münzgesellen in sechs Jahren produzierte, reichten da bei weitem nicht aus. Deshalb entwickelte Ratsmitglied und Goldschmied Jakob Stampfer eine völlig neue Technologie: das Walzprägewerk.

Ein Walzprägewerk ist zunächst nichts anderes als eine von Wasser getriebene Walze, mit der ein Blech auf jede beliebige Stärke ausgewalzt werden kann. Jakob Stampfers Idee war es, die vorher glatten Walzen durch eingeschnittene Ober- und Unterstempel in Prägewalzen zu verwandeln. Sie pressten die Münzbilder auf einen Zain, der durch sie hindurchgeführt wurde. Unter einem Zain verstand man ein längliches Blech, aus dem ursprünglich nach dem Walzen die Münzronden gestanzt wurden. Die Neuerung war nun, dass man nicht mehr Ronden aus dem Zain stanzte, die danach geprägt wurden, sondern dass man die vom Walzprägewerk fertig geprägten Münzen aus dem Zain stanzte. War der Zain zu kurz, um eine völlig runde Münze zu produzieren, kam das zustande, was heute in Katalogen als „Zainende“ bezeichnet wird.

Von Zürich kam das Walzprägewerk durch Jakob Vogler nach Hall. Er war das letzte Mitglied eines Konsortiums, das ursprünglich versucht hatte, Geld mit der neuen Technologie zu machen. Doch weder der Erfinder des Walzprägewerks noch Jakob Vogler wurden dabei reich. Reich wurden die Tiroler Erzherzöge, die sich viel Geld sparten, weil die neue Technologie mit wesentlich weniger teuren Fachkräften auskam. Allerdings waren Walzprägewerke nur dann rentabel, wenn in Massen geprägt wurde. Das tat man in Hall, wo man aus Schwazer Silber Taler produzierte.

Als also die spanischen Habsburger sich überlegten, wie man das Silber der neuen Welt günstig, schnell und gut zu Münzen prägen konnte, fragte man in Hall an. So kam es zum Technologietransfer. Sechs Haller Münzgesellen reisten nach Spanien, um die neue Münzstätte zu etablieren. Sie mussten dafür erst einmal einen geeigneten Bauplatz suchen. Denn Walzprägewerke waren auf Wasserkraft angewiesen. Doch während es in Tirol genug reißende Bäche gab, war Wasser in Spanien eher Mangelware. 

1583 wurde Segovia als Heimat der neuen Münzstätte ausgewählt. Dort befand sich bereits eine alte Papiermühle, die das Wasser des Rio Eresma für ihre Produktion nutzte. Hier errichtete der königliche Architekt, Juan de Herrera, die Münzstätte. Juan de Herrera ist besser bekannt für den Escorial, der nach seinen Plänen und unter seiner Leitung entstand. Dass dieser bedeutende Künstler beauftragt wurde, die Münzstätte zu planen, zeigt, welche Bedeutung König Philipp II. dem Projekt beimaß.

1585 kamen zwei Walzprägewerke in Kisten verpackt aus Tirol. Sie mussten erst wieder zusammengebaut werden, ehe die reguläre Münzprägung 1586 beginnen konnte. Die ersten 100 Münzen, die auf den neuen Walzprägewerken entstanden, wurden übrigens auf königlichen Befehl unter die Armen der Stadt verteilt.

Eine Tour durch die Münzstätte von Segovia

Sie dürfen sich aber nicht vorstellen, dass sich das Museum nur auf die Münzprägung konzentriert. Es handelt sich vielmehr um einen großen Komplex, der dezidiert dafür geplant wurde, möglichst effizient das angelieferte Silber, Kupfer oder Gold in Münzen zu verwandeln. Übrigens, nicht nur das staatliche Silber der Silberflotten wurde hier ausgeprägt. Auch Privatleute wendeten sich an die Münzstätte, um dort gegen eine gewisse Gebühr ihr Rohmetall zu leicht konvertierbaren Münzen prägen zu lassen.

Der erste Blick jedes Besuchers gilt dem großen Eingangstor. Hier befand sich im 16. Jahrhundert der einzige Zugang zu dem von einer hohen Mauer umgebenen Sicherheitsbereich. Gleich links hinter dem Eingang stand das Wachhaus, das Tag und Nacht besetzt war. So wurde verhütet, dass ein Unbefugter in die Münzstätte eindringen konnte. Für den Fall der Fälle verfügte die Wache über ein Gefängnis, das gleich neben dem Wachhaus lag. Dort konnte ein gestellter Übeltäter gefangen gesetzt werden.

Die ankommende Ware wurde vom Tor aus in den großen Gebäudekomplex auf der rechten Seite transportiert. Dort befand sich die Schmelze und der Probierofen. Fachleute überprüften die Reinheit des angelieferten Metalls, ehe es zur Waage gebracht wurde. Im gleichen Raum befand sich der Sekretär, der genau verzeichnete, wer was und wie viel gebracht hatte. Nachdem das Silber inventarisiert war, konnte es im Raum nebenan eingeschlossen werden. Fenster hatte dieser begehbare Tresor nicht. Er war nur über den Raum mit der Waage betretbar.

Etwas tiefer, aber über eine Rampe leicht begehbar, lag der große Prägesaal, in dem die Walzprägewerke ihre laute Arbeit taten. Angetrieben von der Kraft des Rio Eresma setzten sie die schweren Maschinen in Bewegung, mit denen die Münzen produziert wurden. Heute ist hier der Ausstellungsraum des Museums untergebracht. Darin erfährt der Besucher Details zur Geschichte der Münzstätte und zur Technik. Er sieht archäologische Funde aus der Münzstätte und einige wenige original erhaltene Prägewalzen. Am beeindruckendsten sind allerdings eine Reihe von funktionstüchtigen Maschinen, die während der Führungen in Bewegung gesetzt werden. Darunter befinden sich zum Beispiel der Nachbau eines Walzprägewerks und eines Hammerwerks.

Vom Prägesaal aus kann man in einen weiteren Raum gehen, wo früher Zaine und – nach der Einführung der Schraubenpressen – Ronden hergestellt und nachbearbeitet wurden. Er ist heute zu einem hübschen Restaurant umgebaut. Den Besuch im Ingenio Chico kann man nur empfehlen.

Damit ist man am Ende der Führung, aber man sollte auf keinen Fall verpassen, noch einmal in den Kassenraum zu gehen. Dort ist gute Literatur zur Münzprägung und zur Numismatik erhältlich. Leider nur in Spanisch und Englisch, aber vielleicht lohnt sich irgendwann die Übersetzung, wenn genug deutsche Touristen die Münzstätte besuchen.

Verpassen Sie also die Münzstätte von Segovia auf keinen Fall, wenn Sie in der Nähe sind. Sie gilt als das weltweit älteste noch existierende Beispiel von Industriearchitektur.