Museu do Dinheiro

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Largo de São Julião,
1100-150 Lisboa
Portugal
Tel: +35 (1) 213 213 240

info@museudodinheiro.pt
https://www.museudodinheiro.pt/en

Öffnungszeiten:
Mi-So 10:00 – 18:00 (Letzter Einlass 17:30)

von Ursula Kampmann

Eigentlich wollten wir nur den erdrückenden Massen der Touristen entfliehen, die von der nahegelegenen Anlegestelle der Kreuzfahrschiffe ausschwärmend die Praça do Comércio überfluteten. Da standen wir nun ein wenig genervt auf der Praça do Municipio und überlegten, was wir mit dem schönen Tag tun sollten, als ich in einer Ecke an einer Kirche auf einem riesigen Banner die Aufschrift Museu do Dinheiro las. Nun ist mein Portugiesisch nicht mal rudimentär vorhanden, aber das Wort Geld erkenne ich auch in Portugiesisch! Natürlich haben wir uns sofort entschieden, das Museum zu besichtigen. Es hat uns zwei Stunden der angenehmsten Unterhaltung geboten.

Recycling einer Barockkirche

Statt ein neues Gebäude zu errichten, entschied sich die Portugiesische Zentralbank dafür, die Kirche S. Julião zu einem Museum umzufunktionieren. Die imposante, aber kunsthistorisch nicht weiter aufregende Kirche entstand ursprünglich nach dem Erdbeben im Jahr 1755 und wurde mehrfach umgebaut. Da auch Lissabon seit dem 19. Jahrhundert immer weniger Orden in seinen Mauern beherbergte, entschied sich die Kirche, das Gebäude zu dekonsekrieren und zu verkaufen. Ein Kunde war schnell gefunden. Die Banco de Portugal zeigte Interesse. Sie wollte die Kirche abreißen, um auf dem zentral gelegenen Grund ihren neuen Firmenhauptsitz zu errichten. So wechselte das gesamte Gelände am 7. Juni 1933 für 10 Mio. Escudos den Besitzer. Doch das Projekt scheiterte. Die Baugenehmigung wurde nicht erteilt. Und damit musste sich die Nationalbank überlegen, was mit der gigantischen Kirche geschehen sollte.

Nach der Jahrtausendwende entstand die Idee, den Bau in ein Museum umzuwandeln. Man fand ein innovatives Szenographie-Studio, das die architektonischen Probleme als Herausforderung empfand und ein attraktives Geldmuseum konzipierte, das am 19. April 2016 seine Tore öffnete. Seitdem hat Lissabon eine numismatische Attraktion, die noch dazu kostenlos ist. Man sollte nur deshalb unbedingt zur „Kasse“ gehen, weil man dort kostenlos ein Ticket erhält, das es einem ermöglicht, die verschiedenen Wissensstationen zu benutzen. Besonders beliebt sind die überall verstreuten Tests, mit denen man seine numismatisch-wirtschaftlich-historischen Kenntnisse überprüfen kann. Ein echter Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Modernste Technik, tolle Exponate

Damit sind wir schon bei einem typischen Kennzeichen des Museu do Dinheiro angekommen: Es ist nicht für den Numismatiker gebaut, sondern für eine breite Öffentlichkeit. Ihr will man nahebringen, wie Geld funktioniert und wie spannend seine Geschichte ist. Dafür gibt es jede Menge interaktiver Stationen. Den Anfang macht ein menschenförmiger Computer, der den Besucher auffordert, mit ihm in einen Tauschhandel einzutreten. Ein paar Räume weiter regt eine interaktive Karte dazu an, die ausgestellten Objekte in ihren geographischen Raum und auf der Zeitachse einzuordnen.

Klassische Numismatik vom Feinsten

Manche Museen vergessen gelegentlich, dass die Menschen nicht kommen, um mit Computern zu spielen, sondern aufregende Objekte zu sehen. Im Museu do Dinheiro ist das nicht der Fall! Im Gegenteil. Alle Objekte, die auf der interaktiven Karte zu sehen sind, findet man nur wenige Meter weiter in der so genannten Schatzkammer. Und glauben Sie mir: Es handelt sich wirklich um eine Schatzkammer mit einer reichen Auswahl an seltenen Münzen. Die Qualität dieser Stücke kann eigentlich nur ein Sammler und Kenner so richtig schätzen. Er findet feinste antike Prägungen in Ausnahmeerhaltungen, eine Fülle von ausländischen Raritäten (ich erwähne an dieser Stelle nur den Oban zu 10 Ryo von 1860-1862) und dann natürlich alles, was zum portugiesischen Münzwesen gehört: Prägungen der Westgoten, der Almoraviden, Zeugnisse für die komplette Geschichte des Portugalösers inklusive seiner vielen frühen norddeutschen Nachprägungen, dann natürlich im Zentrum die Münzen der portugiesischen Könige, dazu eine breite Auswahl von Barren aus brasilianischem Gold und und und…

Planen Sie genügend Zeit ein! Es lohnt sich, genau hinzusehen.

Portugiesische Geldgeschichte(n)

Während nur die wenigsten Besucher wirklich einordnen können, welche unglaublichen Schätze die Schatzkammer birgt, ist die Ausstellung zur portugiesischen Geldgeschichte amüsant, voller Geschichten und für eine breite Öffentlichkeit gemacht. Wobei das Material so gut aufbereitet ist, dass auch der Spezialist viel Neues lernt.

Haben Sie zum Beispiel schon einmal von Artur Alves dos Reis gehört? Man darf ihn wohl zu den größten Betrügern seiner Zeit zählen. Er löste im Jahr 1925 eine Krise aus, die in der internationalen Finanzwelt als die Portuguese Bank Note Crisis bekannt wurde.

Dabei fälschte Artur Alves dos Reis zunächst eigentlich nur ein Dokument, und zwar einen Vertrag im Namen der Banco de Portugal, der ihm erlaubte, Banknoten drucken zu lassen, weil das von ihm vertretene Konsortium angeblich ein hohes Darlehen zur Entwicklung von Angola gesprochen hatte. Der Coup gelang nur, weil die private Banco de Portugal wegen ihrer losen Geldpolitik einen sehr schlechten Ruf im In- und Ausland hatte. Deshalb glaubte man Artur Alves dos Reis, dass die Banco de Portugal auf Heimlichkeit bestanden habe, um die Öffentlichkeit nicht über die heimliche Erhöhung des Geldumlaufs zu informieren. Die renommierte Banknotendruckerei Waterlow and Sons Ltd. fiel auf Artur Alves dos Reis herein und druckte für ihn mit bereits benutzten Druckplatten eine „zweite Auflage“ der portugiesischen Geldscheine. So entstanden 200.000 Banknoten zu 500 portugiesischen Escudos im Gesamtwert von 100 Millionen. Das entsprach damals fast einem Prozent des portugiesischen Bruttosozialprodukts. Von Artur Alves dos Reis und seinen Partnern in die portugiesische Wirtschaft eingespeist, löste das Geld einen regelrechten Wirtschaftsboom aus. Die Bande machte gewaltige Gewinne, von denen sie einen Teil investierte, um Aktien der Banco de Portugal zu erwerben. Dies hätte es ihnen ermöglicht, ihren Betrug nachträglich zu legalisieren.

Doch andere Geschäftsleute wurden misstrauisch. Sie vermuteten deutsche Machenschaften. Man unterstellte, die deutsche Regierung versuche, zentrale portugiesische Unternehmen aufzukaufen. Eine Zeitung entsandte Journalisten und die entdeckten zu ihrer Überraschung, dass nicht die deutsche Regierung, sondern der gefeierte Jungunternehmer Artur Alves dos Reis hinter der Sache steckte. Ende des Jahres 1925 wurde der Betrug allgemein bekannt, alle gefälschten Banknoten für ungültig erklärt. Der Schaden, den dieses wirtschaftliche Desaster der Reputation der ersten portugiesischen Republik zufügte, war enorm. Es wird heute diskutiert, ob und in wie weit die Banknotenkrise die Machtübernahme von António de Oliveira Salazar erleichterte.

Wie entsteht Geld?

Eines fehlt noch auf unserem Rundgang durch die Welt des Geldes: Natürlich die Geldherstellung. Ihr ist ein eigener Saal gewidmet. In ihm sind viele interessante Werkzeuge und Halbfabrikate aus Vergangenheit und Gegenwart ausgestellt. Sie finden Münzstempel und Punzen genauso wie eine Guillochiermaschine, mit denen man früher die feinen Linien auf Geldscheinen erzeugte.

Am Schluss wird es dann noch einmal theoretisch. In einem kleinen Saal stehen etliche Computer, mit deren Hilfe man selbst Nationalbank spielen kann, um am eigenen Leib zu erfahren, welche Geldmaßnahmen zur Inflation führen und welche eine stabile Währung hervorbringen.

Übrigens, versäumen Sie nicht in den Keller zu steigen, wo ein Teil der unter König Dinis (1279-1325) errichteten Stadtmauer zu sehen ist.

Und dann haben sie direkt bei der Kasse die Möglichkeit, einmal einen echten Standardgoldbarren zu berühren. Das passt zur portugiesischen Geldpolitik. Während des Estado Novo verfolgte die Banco de Portugal einen strikten Kurs der Golddeckung. Das führte dazu, dass Portugal noch heute einen gewaltigen Vorrat an Gold aufweist. Es liegt damit an 14. Stelle hinsichtlich der Goldreserven nach den USA, Deutschland, dem Internationalen Währungsfond, Italien, Frankreich, Russland, China, der Schweiz, Indien, Japan, den Niederlanden, der Türkei, der EZB, Polen und Taiwan.

Last but not least: Gehen Sie in den Museumsshop. Sie werden eine reiche Auswahl an numismatischen Souvenirs finden.